Pressemitteilung:
Nordseegipfel in Hamburg: BWO begrüßt mehr Stabilität und Investitionssicherheit für Offshore-Wind
Berlin, 26. Januar 2026. Auf dem Nordseegipfel am 26. Januar in Hamburg haben die Regierungen der Nordseeanrainerstaaten gemeinsam mit der Offshore-Windbranche und Übertragungsnetzbetreibern zentrale Schritte für den weiteren Ausbau der Offshore-Windenergie in Europa vereinbart. Der Bundesverband Windenergie Offshore (BWO) begrüßt die Beschlüsse ausdrücklich und fordert stabile Ausbaupfade, investitionsfreundliche Ausschreibungsrahmen und eine deutlich stärkere europäische Kooperation. Der BWO unterzeichnet gemeinsam mit WindEurope die Offshore Wind Industry Declaration und unterstützt damit den langfristigen Ausbaupfad von 300 Gigawatt Offshore-Windleistung in Europa.
Nordseegipfel setzt starkes Signal für Offshore-Wind
Mit dem auf dem Gipfel vereinbarten Offshore Wind Investment Pact für die Nordsee verpflichten sich die Regierungen, im Zeitraum von 2031 bis 2040 jährlich 15 Gigawatt (GW) Offshore-Windleistung auszuschreiben. Die Ausschreibungen sollen in einem optimierten und risikoreduzierten Rahmen erfolgen. Mindestens zehn GW pro Jahr sollen dabei durch indexierte, zweiseitige Contracts for Difference (CfDs) abgesichert werden, um Marktvorhersehbarkeit und Investitionssicherheit zu gewährleisten.
Der BWO bewertet diese Zusagen als entscheidend für den Ausbau der Offshore-Windenergie. Verlässliche Volumina und ein stabiler Auktionsrahmen sind aus Sicht des Verbandes Voraussetzung dafür, dass Investitionen in Projekte, Lieferketten, Häfen, Schiffe und Fachkräfte ausgelöst werden können.
„Der Nordseegipfel in Hamburg markiert einen Meilenstein für die Offshore-Windenergie in Europa“, sagt Hans Sohn, Leiter der Stabsstelle Politik und Kommunikation des BWO. „Die europäischen Staaten rücken in der Nordsee enger zusammen und intensivieren ihre Zusammenarbeit – das ist ein sehr gutes Signal. Es wird deutlich, dass Offshore-Wind als zentrale Säule für die Energieversorgung ein resilientes Europa unterstützt. Die politischen Zusagen zu klaren Ausbaupfaden und verlässlichen Ausschreibungen schaffen die dringend benötigte Planungssicherheit und bilden die Grundlage für Investitionen, sinkende Kosten und eine starke europäische Offshore-Windindustrie.“
Offshore Wind Industry Declaration: Industrie übernimmt Verantwortung
Auf dem Gipfel unterzeichnet der BWO gemeinsam mit WindEurope und zahlreichen weiteren Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette die Offshore Wind Industry Declaration. Darin bekennt sich die Branche zu einem ambitionierten Ausbau der Offshore-Windenergie als zentralem Pfeiler für Energieversorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz in Europa.
Im Gegenzug zu den politischen Zusagen verpflichtet sich die Branche, die Stromgestehungskosten von Offshore-Windprojekten bis 2040 real um 30 Prozent gegenüber dem Niveau der Investitionsentscheidungen von 2025 zu senken. Zudem will die Branche erhebliche Investitionen in Produktionskapazitäten, Infrastruktur und Qualifizierung tätigen und damit Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Europa sichern.
Zudem wird in Deutschland eine Überarbeitung des aktuellen Auktionsdesigns hin zu zweiseitigen Differenzverträgen zu geringeren Finanzierungskosten und damit niedrigeren Strompreisen führen. „Wir setzen uns dafür ein, dass keine weitere Auktion zu den bisherigen Regeln stattfindet. Die für Juni 2026 von der Bundesregierung geplante Auktion der Flächen, die im August 2025 niemand haben wollte, sollte verschoben werden mit neuem Ausschreibungsdesign stattfinden“, so Hans Sohn. „Ein Vorbild ist hier Großbritannien, wo gerade eine große Auktion auf der Basis von zweiseitigen Differenzverträgen sehr erfolgreich stattgefunden hat.“
Industriepolitik und der Schutz kritischer Infrastruktur zusammendenken
Die Sicherheit kritischer Energieinfrastruktur ist ein zentrales Thema des Nordseegipfels. Offshore-Windparks sind Teil der kritischen Infrastruktur. Aus Sicht des BWO ist maritime Sicherheit keine externe Zusatzanforderung, sondern eine grundlegende Voraussetzung für einen stabilen, wirtschaftlich tragfähigen und resilienten Betrieb. Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit sind dabei untrennbar miteinander verbunden.
Gleichzeitig treffen sicherheitspolitische Erwartungen auf langfristige Investitions- und Betriebsrealitäten. Offshore-Wind-Projekte basieren auf festen Genehmigungsrahmen sowie klar kalkulierten Kostenstrukturen, während sicherheitsbezogene Anforderungen dynamisch sind und Fragen zu Zuständigkeiten, Kosten und Haftung berühren. Der BWO setzt sich daher für einen frühzeitigen, strukturierten Dialog zwischen Betreibern, Behörden und Sicherheitsakteuren ein. Ziel ist ein Security-by-Design-Ansatz, der öffentliche Sicherheitsinteressen stärkt und zugleich Investitions- und Planungssicherheit gewährleistet.
Irina Lucke, Vorstandsvorsitzende des BWO und Teilnehmerin des Security Tables auf dem Nordseegipfel, betont: „Der BWO wird von Sicherheitsbehörden als zentraler Ansprechpartner wahrgenommen – und das ist folgerichtig. Betreiber von Offshore-Windparks tragen über Projektlaufzeiten von 25 Jahren und mehr Verantwortung für kritische Infrastruktur und teilen das Ziel eines sicheren maritimen Raums. Wir sind bereit, unsere bestehenden Potenziale einzubringen. Es bedarf jedoch unbedingt eines Dialogs, um eine klare Zielsetzung, verlässliche Zuständigkeiten und eine technisch sowie wirtschaftlich nachhaltige Umsetzung zu erreichen.“
Studie belegt Vorteile grenzüberschreitender Offshore-Planung
Ein zentrales Anliegen des BWO – auch mit Blick auf den Nordseegipfel – ist eine deutlich bessere länderübergreifende Kooperation beim Ausbau. Die Vorteile einer solchen Kooperation belegt eine aktuelle Studie des Fraunhofer IWES, die im Auftrag von BWO und BDEW erstellt wurde.
Die Studie zeigt anhand verschiedener Szenarien für den deutschen Offshore-Wind-Ausbau auf 70 GW, dass eine grenzüberschreitende Flächenkooperation zu einer weniger dichten Bebauung führen kann, mit der sich Abschattungseffekte deutlich reduziert werden. Dadurch lassen sich die Energieerträge um bis zu 13 Prozent steigern, während die Stromgestehungskosten bis zu11 Prozent sinken.
Aus Sicht des BWO unterstreichen diese Ergebnisse, dass europäische Kooperation nicht nur energiepolitisch sinnvoll, sondern auch volkswirtschaftlich geboten ist.
Über den BWO
Der Bundesverband Windenergie Offshore e.V. (BWO) ist die politische Interessenvertretung der Offshore-Wind-Branche in Deutschland. Wir bündeln die fachliche Expertise der Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von den Herstellern über die Entwickler und Betreiber bis hin zu den Dienstleistern der Offshore-Windenergie. Für Politik und Behörden auf Bundes- und Landesebene ist der BWO zentraler Ansprechpartner zu allen Fragen der Windenergie auf See.