BWO-Positionspapier: Handlungsempfehlungen für eine resiliente Stahl-Versorgung der Offshore-Windbranche
Offshore-Wind braucht Stahl – und die Stahlindustrie braucht Offshore-Wind. Deutschland und Europa verfügen über eine leistungsfähige Stahl- und Weiterverarbeitungsindustrie, die Schlüsselkomponenten wie Monopiles oder Transition Pieces in hoher Qualität und mit kurzen Lieferketten bereitstellen kann. Damit ist die Industrie besonders gut dafür aufgestellt, den Offshore-Wind-Ausbau als Chance zu nutzen – und damit Wertschöpfung, Beschäftigung und Versorgungssicherheit entlang der gesamten Lieferkette zu stärken: von der Stahlproduktion über die Verarbeitung bis zur Fertigung schwerer Offshore-Komponenten.
Gleichzeitig ist klar: Die Dekarbonisierung der Stahlindustrie selbst erfordert enorme Mengen klimafreundlichen Stroms – den Offshore-Windenergie in Teilen bereitstellen kann. Industriepolitik für Stahl ist damit zugleich Industriepolitik für die Offshore-Wind-Branche.
Doch die europäische Stahlindustrie steht unter Druck: globale Überkapazitäten, ungleiche Wettbewerbsbedingungen und wachsende Anforderungen an die Dekarbonisierung gefährden die industrielle Basis. Verlässliche Leitmärkte für CO₂-armen Stahl sind entscheidend, um die laufenden Transformationsinvestitionen wirtschaftlich abzusichern – und damit die Lieferketten für Offshore-Wind resilient zu halten.
BWO-Forderungen an die EU:
- Konsequente Umsetzung und Weiterentwicklung des „EU Steel & Metals Action Plan“: EU-Handelsinstrumente effektiv nutzen und entlang der gesamten Offshore-Wertschöpfungskette, etwa auf Monopiles sowie deren Vorprodukte, wirksam anwenden.
- Weiterentwicklung des CBAM zur Vermeidung von Carbon Leakage und Wettbewerbsverzerrungen bei der Einfuhr, einschließlich der Prüfung einer Ausweitung auf nachgelagerte Produkte.
- Verbindliche und praxistaugliche Systeme zum Herkunftsnachweis, inklusive der „Melt and Pour“-Regelungen und spezifischer Zollcodes für Offshore-Windkomponenten, um einer Umgehung vorzubeugen.
BWO-Forderungen an Deutschland:
- Vereinfachung und Beschleunigung von Genehmigungsverfahren für Dekarbonisierungsprojekte in der Stahlindustrie.
- Anwendung eines einheitlichen Labels für emissionsarmen Stahl zur Schaffung von Markttransparenz und zur Stärkung sektorenübergreifender Leitmärkte, etwa durch den Low Emission Steel Standard (LESS). Ein solcher Standard ermöglicht es, bei der Beschaffung stahlintensiver Offshore-Komponenten wie Monopiles die CO₂-Intensität transparent zu berücksichtigen und hat das Potential, die Nachfrage nach emissionsarm produziertem Stahl in Europa gezielt zu stärken.
- Instrumente zur Förderung von Investitionen in emissionsarme Stahlerzeugung (z. B. Klimaschutzverträge, staatliche Unterstützung).