Pressemitteilung:
BWO-Studie zu Erzeugernetzentgelten: Bundesnetzagentur setzt wichtige Signale für Offshore-Wind und Investitionssicherheit
Berlin, 3. Juni 2026. Die Bundesnetzagentur hat mit ihrem vorläufigen Konzept zur Festlegung der Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom (AgNes) ein wichtiges Signal für Investitionssicherheit im Offshore-Wind-Ausbau gesetzt. Der Bundesverband Windenergie Offshore (BWO) begrüßt den geplanten Vertrauensschutz für bestehende und bereits bezuschlagte Projekte sowie die vorgesehene Ausnahme von dynamischen Erzeugernetzentgelten für Offshore-Wind. Eine heute veröffentlichte BWO-Studie unterstreicht, dass Erzeugernetzentgelte für Offshore-Wind weder die angestrebte Lenkungswirkung entfalten noch die Finanzierung der Netze effizienter gestalten würden. Sie würden zu einer finanziellen Mehrbelastung führen.
Für die Offshore-Wind-Branche ist vor allem der von der Bundesnetzagentur vorgesehene Vertrauensschutz von großer Bedeutung. Demnach sollen bestehende Offshore-Windparks sowie Projekte, die bereits einen Zuschlag in einer Ausschreibung erhalten haben, von dem geplanten Kapazitätsentgelt ausgenommen bleiben. Damit werden Investitionsentscheidungen geschützt, die auf Grundlage der bisherigen regulatorischen Rahmenbedingungen getroffen wurden. Der BWO sieht darin ein wichtiges Signal für Investitions- und Planungssicherhe.
„Ich begrüße ausdrücklich, dass die Bundesnetzagentur beim Vertrauensschutz zentrale Anliegen der Offshore-Wind-Branche aufgreift. Wer bereits investiert oder in Ausschreibungen Gebote abgegeben hat, darf nicht nachträglich mit zusätzlichen, vorher nicht einkalkulierbaren Risiken belastet werden“, sagt BWO-Geschäftsführer Stefan Thimm.
Studie: Erzeugernetzentgelte verfehlen ihre Ziele bei Offshore-Wind
Die vom BWO beauftragte Studie von Neon Neue Energieökonomik untersucht die Auswirkungen von Erzeugernetzentgelten auf die Offshore-Windenergie. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die vorgesehenen Instrumente einen Beitrag zur Entlastung der Stromnetze und zur Senkung der Netzkosten leisten können.
Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass Erzeugernetzentgelte, darunter auch Baukostenzuschüsse, bei Offshore-Wind kaum eine produktive Lenkungswirkung entfalten. Anders als bei anderen Investitionen werden Standort, Netzanschluss und Anschlusskapazität von Offshore-Windparks staatlich geplant und vorgegeben. Zusätzliche Entgelte können daher keine netzdienliche Standortwahl anreizen, sondern wirken vor allem als zusätzlicher Kostenfaktor für Projekte.
Zudem zeigt die Studie, dass Erzeugernetzentgelte die Kosten der Offshore-Windenergie erhöhen und damit perspektivisch auch die Gebote in künftigen Differenzvertrags-Ausschreibungen (CfDs). Da die Mehrkosten in diesem System letztlich vom Bund getragen werden, würden die Entgelte faktisch zu einer indirekten Netzfinanzierung über den Bundeshaushalt führen. Die erhoffte Entlastung der Verbraucher wird entsprechend zu einer Mehrbelastung der Steuerzahler.
Planungssicherheit erhalten
Positiv bewertet der BWO, dass die Bundesnetzagentur dynamische Erzeugernetzentgelte für Offshore-Wind derzeit nicht weiterverfolgen will.
„Offshore-Windparks können ihren Standort nicht frei wählen. Flächen, Ausschreibungen und Netzanschlüsse werden zentral geplant. Offshore-Wind braucht De-Risking statt zusätzlicher Unsicherheit. Die BNetzA hat gegenüber den ersten Überlegungen aus dem Februar erkennbar nachgeschärft. Das verdient Anerkennung“, sagt Thimm.
Zugleich sieht der Verband die Notwendigkeit, Offshore-Wind auch in zukünftigen Verfahrensschritten dauerhaft von dynamischen Erzeugernetzentgelten und Baukostenzuschüssen auszunehmen. Der BWO wird den angekündigten Festlegungsentwurf und die weitere Konsultation konstruktiv begleiten.
Die gesamte Studie zum Download: BWO-Studie_Erzeugernetzentgelte_Offshore_Wind
Über den BWO
Der Bundesverband Windenergie Offshore e.V. (BWO) ist die politische Interessenvertretung der Offshore-Wind-Branche in Deutschland. Wir bündeln die fachliche Expertise der Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von den Herstellern über die Entwickler und Betreiber bis hin zu den Dienstleistern der Offshore-Windenergie. Für Politik und Behörden auf Bundes- und Landesebene ist der BWO zentraler Ansprechpartner zu allen Fragen der Windenergie auf See.