Pressemitteilung:
Offshore-Wind-Branche drängt auf klare politische Festlegungen bei der 14. Nationalen Maritimen Konferenz
Berlin, 28. April 2026 – Zur 14. Nationalen Maritimen Konferenz am 29. und 30. April 2026 in Emden fordert der Bundesverband Windenergie Offshore (BWO) klare politische Festlegungen und einen verbindlichen Fahrplan für zentrale industrie- und energiepolitische Entscheidungen zur Absicherung des Offshore-Wind-Ausbaus. Die Branche fordert eine nachhaltige Finanzierung der Hafeninfrastruktur, verlässliche Rahmenbedingungen für Betrieb und die Rettungsinfrastruktur auf See sowie den Schutz kritischer Infrastruktur.
„Die Nationale Maritime Konferenz ist eine wichtige Gelegenheit, klare politische Festlegungen zu treffen und einen verbindlichen Fahrplan für zentrale industriepolitische Entscheidungen auf den Weg zu bringen. Leistungsfähige Häfen, eine verlässlich organisierte küstenferne Rettungsinfrastruktur und ein kohärenter Sicherheitsrahmen für kritische maritime Infrastruktur sind dafür zentrale Voraussetzungen“, sagt Stefan Thimm, Geschäftsführer des BWO.
„Nach der gescheiterten Auktion im vergangenen Jahr und der ausgesetzten Ausschreibung in diesem Jahr braucht es jetzt rasch Klarheit über ein investitionssicheres Auktionsdesign mit zweiseitigen CfDs sowie ein klares Bekenntnis zu den gesetzlich verankerten Ausbauzielen von mindestens 70 Gigawatt bis 2045. Jede weitere Verzögerung bei der Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes erhöht die Unsicherheit für Investitionen und damit Wertschöpfung in Deutschland und Europa.“
Häfen als Engpass der Energiewende
Die deutschen Seehäfen sind zentrale Drehscheiben für Bau, Logistik und Betrieb der Offshore-Windenergie. Gleichzeitig steigen die Anforderungen deutlich: größere Komponenten, mehr Flächenbedarf und erhöhte Sicherheitsanforderungen prägen die Entwicklung.
Im europäischen Vergleich zeigt sich in Deutschland ein Rückstand beim Infrastrukturausbau. Häfen wie Esbjerg, Rønne oder Eemshaven haben ihre Kapazitäten gezielt erweitert und übernehmen zunehmend Aufgaben, die auch für deutsche Standorte vorgesehen waren. Dies führt bereits heute zu einer Verlagerung von Aufträgen, Wertschöpfung und industriellen Kapazitäten ins Ausland.
Der BWO fordert von den Teilnehmenden der NMK eine verbindliche Klärung der Finanzierungsverantwortung zwischen Bund und Ländern sowie einen konkreten Umsetzungsmechanismus für den Ausbau der Hafeninfrastruktur. Der Verband schlägt ein GRW-Sonderprogramm „Häfen für die Energiewende“ vor, dass auch kleineren Bundesländern gezielt Investitionen in strategisch relevante Hafenstandorte ermöglicht und diese beschleunigt.
Auch strukturelle Wettbewerbsnachteile im maritimen Bereich für Betreiber von Offshore-Windparks müssen adressiert werden. Der BWO begrüßt in diesem Zusammenhang die Ankündigung des Koordinators der Bundesregierung für maritime Wirtschaft und Tourismus, Dr. Christoph Ploß, die Tonnagesteuer auf Offshore-Wind-Logistik auszuweiten und damit die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zu stärken.
Sicherheitsarchitektur und maritime Resilienz
Neben der industriellen Dimension rückt zunehmend die sicherheitspolitische Bedeutung der Offshore-Windenergie in den Fokus. Offshore-Windparks, Konverterplattformen und Netzanbindungen sind kritische Energieinfrastruktur und müssen entsprechend geschützt werden.
Der BWO fordert einen branchenspezifischen Sicherheitsrahmen für den maritimen Raum. Dazu gehören eindeutige Zuständigkeiten und tragfähige Finanzierungsmodelle – insbesondere dort, wo Offshore-Infrastruktur auch für behördliche Sicherheitsaufgaben genutzt werden soll. Die notwendigen Regelungen sollten noch im Jahr 2026 unter Einbindung der Branche auf den Weg gebracht werden.
Küstenferne Rettung
Zugleich besteht dringender Handlungsbedarf, um Offshore-Rettung zukünftig auch küstenfern zu gewährleisten. Der BWO erwartet eine schnelle Verständigung zwischen Bund und Ländern auf eine zentrale Zuständigkeitslösung sowie den Aufbau einer leistungsfähigen Rettungsinfrastruktur für küstenferne Windparks. Gleichzeitig braucht es einen tragfähigen Finanzierungsmechanismus für die notwendigen Initialinvestitionen in den Aufbau einer küstenfernen Rettungsinfrastruktur noch im Jahr 2026.
Über den BWO
Der Bundesverband Windenergie Offshore e.V. (BWO) ist die politische Interessenvertretung der Offshore-Wind-Branche in Deutschland. Wir bündeln die fachliche Expertise der Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von den Herstellern über die Entwickler und Betreiber bis hin zu den Dienstleistern der Offshore-Windenergie. Für Politik und Behörden auf Bundes- und Landesebene ist der BWO zentraler Ansprechpartner zu allen Fragen der Windenergie auf See.