Politische Empfehlungen für Windenergie auf See

Handlungsempfehlungen
1. September 2021

Die Bundestagswahl steht vor der Tür. Im letzten Jahr ist viel im Bereich Offshore-Windenergie passiert: Neue Ausbauziele, eine neue Raumordnung und erstmalig auch Flächen zur Gewinnung von Wasserstoff auf See. Gleichzeitig wird im Jahr 2021 allerdings keine einzige Offshore-Windenergieanlage errichtet. Und das ist nur eine von vielen Baustellen.

„Wir schauen optimistisch in die Zukunft, sehen aber an einigen Stellen dringenden Handlungsbedarf für die neue Regierung“, sagt Stefan Thimm, Geschäftsführer des Bundesverbands der Windparkbetreiber Offshore e.V. (BWO). „Die Windenergie auf See spielt eine Schlüsselrolle bei der Erreichung der Treibhausgasneutralität bis 2045, braucht dafür aber natürlich auch die entsprechende Rückendeckung der Politik. Insbesondere die Priorisierung bei der Vergabe von geeigneten Flächen auf See muss aus unserer Sicht dringend überdacht werden. Spätestens seit der Verabschiedung des Klimaschutzgesetzes muss uns klar sein, dass Klimaschutz bisher viel zu stiefmütterlich behandelt wurde“.

Der BWO sieht dringenden Handlungsbedarf in insgesamt vier Bereichen: Unter dem Stichwort „Ausbau sichern“, empfiehlt der BWO der Politik dafür zu sorgen, dass 1) eine langfristige Perspektive entsteht und somit ein gleichmäßiger Ausbau stattfinden kann; dass 2) das Marktdesign reformiert und stabile Rahmenbedingungen geschaffen werden; dass 3) ein klarer Rahmen für die Erzeugung von grünem Wasserstoff auf See und 4) ein besseres Miteinander von Klima- und Naturschutz entsteht.

Unter der Überschrift Marktdesign tritt der BWO weiterhin für Differenzverträge ein, da es den Ausbau von Windenergie auf See zu minimalen Kosten ermöglicht. Stefan Thimm: „Viele unserer europäischen Nachbarn setzen auf Differenzverträge und wir können auch Deutschland nur noch einmal ermutigen, es Ihnen gleich zu tun. Zum einen lassen sich die Kosten der Energiewende mit Hilfe von Differenzverträgen nachweislich senken und zum anderen sind die Betreiber von Offshore-Windparks häufig nicht nur in Deutschland aktiv. Gleiche Rahmenbedingungen in Europa sind positiv und erleichtern zusätzlich auch die Umsetzung internationaler Projekte.“

Für die Integration von grünem Wasserstoff ins zukünftige Energiesystem, sieht der BWO es als wichtig an, dass klare Mengenziele für Wasserstofferzeugung auf See geschaffen und zusätzliche Flächen zur sogenannten sonstigen Energiegewinnung ausgewiesen werden. Darüber hinaus braucht es einen verlässlichen Rechtsrahmen für die Genehmigung der Wasserstofferzeugung auf See und den Transport des grünen Gases. Auch muss dafür gesorgt werden, dass grüner Wasserstoff im Wettbewerb mit fossilen Brennstoffen bestehen kann.

Beim Thema Naturschutz regt der BWO einen nationalen Diskussionsprozess zur Nutzung des Meeres und mehr Pilotprojekte zur Ko-Nutzung geeigneter Flächen an. „Hier ist uns besonders wichtig, dass Klima- und Naturschutz nicht gegeneinander ausgespielt werden“, sagt Stefan Thimm. Die konservative Sichtweise auf die Nutzung der vorhandenen Flächen müsse dringend von innovativen Ansätzen abgelöst werden. „Die Energiewende ist das vermutlich größte und wichtigste Gesellschaftsprojekt dieses Jahrhunderts. Ich bin mir sicher, dass sich mit Hilfe mutiger neuer Denk- und Lösungsansätzen ausreichend Flächen für Windenergie auf See finden lassen, um den Anforderungen des Klimaschutzes gerecht zu werden“, betont Thimm.

Weitere und ausführliche Informationen finden Sie in den beiliegenden Faktenblättern:

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