Pressemitteilung:

Neue Studie zeigt: Pauschale 20-Prozent-Überbauung bei Offshore
Netzanbindungen verursacht
unnötige Mehrkosten

Berlin, 12. März 2026 – Eine neue Studie von Frontier Economics im Auftrag des
Bundesverbands Windenergie Offshore (BWO) und des Bundesverbands der
Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) liefert erstmals belastbare Zahlen zur
volkswirtschaftlich optimalen Überbauung von Offshore-Netzanbindungen. Das
optimale Maß der Überbauung liegt in den untersuchten Gebieten der deutschen
Nordsee bei rund fünf bis zehn Prozent. Eine pauschale Vorgabe von 20 Prozent,
wie sie im Flächenentwicklungsplan 2025 vorgesehen ist, führt zu unnötigen
volkswirtschaftlichen Mehrkosten.

Die Studie „Analyse einer volkswirtschaftlich optimalen Überbauung von Offshore
Wind Netzanbindungen“ untersucht vier bislang unbebaute Offshore-Flächen in der
deutschen Nordsee. Frontier Economics analysiert verschiedene Kombinationen aus
Windparkleistung und Netzanbindungskapazität, um das Optimum an Kosten und
Nutzen für das Energiesystem zu ermitteln.

Das Ergebnis: Die volkswirtschaftlich optimale Überbauung liegt, je nach Gebiet und
Szenario, zwischen fünf und zehn Prozent. Die damit einhergehende Abregelung des
erzeugten Stroms beträgt drei bis vier Prozent. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht
liegt das Optimum hingegen niedriger, bei etwa zweieinhalb bis fünf Prozent. Der
volkswirtschaftlich optimale Wert übersteigt somit das wirtschaftliche Optimum von
Entwicklern.

Pauschale Vorgaben führen zu höheren Strompreisen

„Diese Studie zeigt erstmals belastbar, in welchem Bereich eine Überbauung
volkswirtschaftlich überhaupt sinnvoll ist. In den untersuchten Gebieten liegt dieser
Wert bei fünf bis zehn Prozent – deutlich unter den bisher angedachten pauschalen
Vorgaben“, sagt Stefan Thimm, Geschäftsführer des Bundesverbands Windenergie
Offshore. „Eine pauschale Verpflichtung zu einem Überbauungswert von 20 Prozent
würde die volkswirtschaftlichen Kosten hingegen unnötig in die Höhe treiben.“

„Projektentwickler überbauen bereits heute im Bereich des betriebswirtschaftlich
Sinnvollen und Möglichen. Entscheidend ist, dass Überbauung flächenspezifisch und
im wirtschaftlich sinnvollen Rahmen umgesetzt wird. Darüber hinaus gehende
Forderungen würden zu höheren Investitionsrisiken führen, diese müssten
kompensiert werden. Diese werden sich zwangsläufig in höheren Strompreisen
widerspiegeln“, so Thimm weiter.

Optimierung der Offshore-Windenergie

„Wer einseitig versucht, beim Netzausbau zu sparen, riskiert eine unnötige Belastung
der Stromkunden. Wir müssen Optimierungspotenziale ganzheitlich denken – von der
Flächenplanung über Netzanbindungen bis hin zu Marktmechanismen. Ziel muss
sein, bestehende Infrastruktur und die verfügbaren Flächen effizienter zu nutzen.
Höhere Volllaststunden verbessern die Auslastung von Anlagen und
Netzanbindungen, stärken die Wirtschaftlichkeit von Projekten und reduzieren den
Bedarf zusätzlicher Risikoabsicherungen“, sagt Thimm. „Aus Sicht der Branche
haben drei Maßnahmen Priorität: eine geringere Leistungsdichte von unter zehn
Megawatt pro Quadratkilometer auf neuen Flächen, eine Flächenplanung, die
Abschattungseffekte zwischen Windparks reduziert, sowie eine stärkere
internationale Kooperation – etwa durch die Erschließung geeigneter Flächen in
Dänemark. Nur so lässt sich der Offshore-Windausbau kosteneffektiv vorantreiben.“

Infobox: Was bedeutet „Überbauung“?

Unter Überbauung (engl. Overplanting) versteht man, dass die installierte Leistung
eines Offshore-Windparks höher ist als die Kapazität seiner Netzanbindung. Dadurch
soll die Netzinfrastruktur auch bei schwachem Wind gleichmäßiger ausgelastet
werden. In Zeiten mit starkem Wind und hoher Stromproduktion kann die
Netzanbindung den erzeugten Strom nicht aufnehmen. Der überschüssige Strom
wird abgeregelt und verfällt damit ungenutzt.

Hintergrund zur Studie

Die Studie „Analyse einer volkswirtschaftlich optimalen Überbauung von Offshore
Wind Netzanbindungen“ von Frontier Economics untersucht die Nordseeflächen N
10, N-12, N-17+20, N-19. Die Studie baut in ihren Annahmen auf der Fraunhofer IWES
Studie „International Optimization of Full Load Hours in the German Bight – Cross
Border Radials“ auf, welche gemeinsam vom BWO und BDEW beauftragt wurde. Ziel
der Studien ist es eine wissenschaftliche Grundlage zur Optimierung der Offshore
Windenergie in Deutschland zu schaffen.

Über den BWO

Der Bundesverband Windenergie Offshore e.V. (BWO) ist die politische Interessenvertretung der
Offshore-Wind-Branche in Deutschland. Wir bündeln die fachliche Expertise der Unternehmen entlang
der gesamten Wertschöpfungskette, von den Herstellern über die Entwickler und Betreiber bis hin zu
den Dienstleistern der Offshore-Windenergie. Für Politik und Behörden auf Bundes- und Landesebene ist der BWO zentraler Ansprechpartner zu allen Fragen der Windenergie auf See.