2021 – Neue Ziele, neue Dynamik: Offshore-Wind im Ampel-Koalitionsvertrag

Mit dem Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung wird 2021 der Ausbau von Offshore-Wind mit deutlich höheren Ausbauzielen unterlegt. Mindestens 30 GW bis 2030, 40 GW bis 2035 und 70 GW bis 2045 sind ein starkes Signal an die Branche. Stefan Thimm, Geschäftsführer des BWO, ordnet diesen Moment ein.
Herr Thimm, der Koalitionsvertrag 2021 hat für die Offshore-Wind-Branche ein neues Kapitel aufgeschlagen. Erinnern Sie sich, wie Sie diesen Moment erlebt haben?

„Absolut. Das war ein echter Wendepunkt. Zum ersten Mal hatten wir verbindliche politische Ziele mit klarer Perspektive – nicht nur für das nächste Projekt, sondern für die ganze Branche. Das hat uns als Verband Rückenwind gegeben, aber auch die Verantwortung, die Umsetzung aktiv mitzugestalten.“

Die Ausbauziele klangen ambitioniert – mindestens 30 GW bis 2030, 70 GW bis 2045. Was war aus Ihrer Sicht das Entscheidende an diesem Koalitionsvertrag?

„Dass nicht nur Ziele formuliert wurden, sondern auch eine klare industriepolitische Haltung dahinterstand. Offshore-Wind wurde als strategischer Baustein der Energiewende anerkannt. Und es wurde verstanden: Die Branche war zuvor durch eine grausame Phase der Unsicherheit und des Stillstands gegangen. Um daraus wieder herauszukommen, brauchte es zweierlei: eine langfristige Perspektive – und kurzfristig schnelle, großvolumige Ausschreibungen. Beides kam nach dem Koalitionsvertrag 2021 auf den Tisch.“

Wie war die Stimmung damals in der Branche – eher Euphorie oder auch Skepsis, ob das wirklich Realität werden kann?

„Beides. Die Ziele haben viele elektrisiert – endlich Ambition sowie kurz-, mittel- und langfristige politische Klarheit! Aber es war auch klar: Ein Koalitionsvertrag allein baut keine Windparks. Wir wussten, dass wir bei Genehmigungen, Koordination und Infrastruktur noch riesige Hausaufgaben vor uns hatten. Diese Spannung begleitet uns bis heute.“

Was nehmen Sie aus dem Jahr 2021 mit – auch für Ihre Arbeit heute?

„Für mich bleibt 2021 vor allem ein Beleg dafür, wie entscheidend Planungssicherheit ist. Mit dem Koalitionsvertrag haben wir die Aussicht auf einen verlässlichen Ausbaupfad bekommen – das war der Moment, in dem Investoren, Hersteller und Projektierer wieder langfristig denken konnten. Diese Verlässlichkeit war überfällig – und ist bis heute die Grundlage dafür, dass wir als Branche Tempo aufnehmen können. Auch wenn es an einigen Stellen noch hakt, etwa bei der Finanzierung des Hochlaufs der Lieferkette oder des Hafenausbaus.“

Was 2021 außerdem wichtig war:
  • In Europa wurden 3,4 GW Offshore-Wind fertiggestellt.
  • In Deutschland geht erstmals seit 2010 kein neuer Offshore-Windpark ans Netz.
  • Erste Auktion im „Zentralmodell“: Die Zuschläge für N-3.7 (225 MW) und O-1.3 (300 MW) gehen zunächst nach Null-Cent-Geboten per Losverfahren an RWE, für N-3.8 (433 MW) an EDF Offshore. Anschließend ziehen Iberdrola sowie das Konsortium RWE/Northland ihre Eintrittsrechte: O-1.3 fällt an Iberdrola, N-3.8 an RWE/Northland.