2018 – Planung statt Zufall: Der erste Flächenentwicklungsplan schafft Ordnung auf See 

Mit dem ersten Flächenentwicklungsplan (FEP) bringt das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) 2018 Struktur in den Offshore-Ausbau. Die systematische Vorausplanung ersetzt seither das projektgetriebene Verfahren – ein Meilenstein für die Energiewende auf See. Lea Haefke leitet das zuständige Referat im BSH. 

Frau Haefke, mit dem ersten Flächenentwicklungsplan 2018 hat das BSH eine neue Ära der Offshore-Wind-Planung eingeläutet. Wie haben Sie diesen Moment erlebt – und was war der größte Unterschied zu der Zeit davor?      

Der Flächenentwicklungsplan war Teil eines großen Systemwechsels für den Offshore-Bereich. Nach den ersten Jahren des engagierten, aber doch unkoordinierten Starts in die Energieerzeugung auf See, war ein Zeitpunkt erreicht, an dem es für den Ausbau sowohl zeitlich als auch räumlich eine Steuerung brauchte. Da kam dem BSH in der Fachplanung mit dem Flächenentwicklungsplan dann eine noch viel zentralere Rolle zu. 

Arbeitseinsatz auf der Forschungsplattform FINO II © DNV
Der FEP war ein Meilenstein, aber auch ein Mammutprojekt. Was waren aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen bei der Erstellung? 

Eine wesentliche Herausforderung waren sicher die für ein Instrument wie den Flächenentwicklungsplan rasant aufeinander folgenden politischen Entscheidungen. Das Gesetz sieht vor, dass der Flächenentwicklungsplan mindestens alle vier Jahre fortgeschrieben wird. Jetzt haben wir Anfang des Jahres mit dem Flächenentwicklungsplan 2025 schon den vierten Plan veröffentlicht! Ich sehe den FEP als Ermöglicher für den Offshore-Ausbau. Daher warten wir nicht erst mal ab, bis Gesetze verabschiedet sind, sondern führen unsere Verfahren regelmäßig schon parallel zu den Gesetzgebungsverfahren. 

Blasenschleier-Einsatz beim Bau eines Orsted-Windparks © Orsted
Der FEP hat die Grundlage für künftige Ausschreibungen gelegt – mit klaren Vorgaben zu Flächen, Netzanschlüssen und Zeitplänen. Was hat aus Ihrer Sicht besonders gut funktioniert?     

Das Ineinandergreifen der neuen Instrumente, vom FEP über die Voruntersuchung bis zur Ausschreibung hat von Anfang an sehr gut funktioniert. Das war möglich durch die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Behörden, auch über die Ressorts hinweg. Unser Ziel ist es, mit dem Flächenentwicklungsplan die politischen Entscheidungen zügig umzusetzen. Wir mussten jeweils schon parallel zueinander starten, uns teilweise noch mit Übergangssystemen und beendeten Projekten auseinandersetzen. So konnten wir die Ausschreibungen gemeinsam rechtzeitig an den Start bringen. Überdies ist mir wichtig, die verschiedenen Interessen und Belange zu hören und einzubeziehen. Darauf aufbauend suchen wir tragfähige Lösungen, die Verlässlichkeit für den Ausbau der Offshore Windenergie schafft. 

Hoist-Übung beim Bau des Windparks Arkona
Heute ist der FEP ein zentrales Steuerungsinstrument im Offshore-Wind-Ausbau. Was war 2018 die wichtigste Weichenstellung, damit daraus ein dauerhaft tragfähiges Planungsinstrument wurde? 

Das war sicher die Entscheidung nach den Netzanbindungen auch die Flächen für die Windenergie in die strategische Planung einzubeziehen. Dieser integrierte Ansatz war aus meiner Sicht auch die Voraussetzung, um die späteren Erhöhungen der Ausbauziele kurzfristig umzusetzen. 

Bau des Windparks Argon vor Rügen
 Was 2018 außerdem wichtig war:  
  •  In Europa wurden in 18 Projekten 409 neue Offshore-Windenergieanlagen ans Netz angeschlossen. Dies brachte eine zusätzliche Nettokapazität von 2.649 MW.
  • Europa verfügte Ende 2018 über eine installierte Offshore-Wind-Kapazität von 18.499 MW.
  • In Deutschland wurden 835 MW vollständig in Betrieb genommen: 450 MW Borkum Riffgrund, 385 MW Arkona. 
  • Deutsche Ausschreibung: 1610 MW gehen an EnBW, Ørsted und RWE.
  • Das Interkonnektor-Projekt „Combined Grid Solution (CGS) Kriegers Flak“, die Verbindung zwischen den Umspannplattformen des deutschen Offshore-Windparks Baltic 2 und des dänischen Windparks Kriegers Flak, ist betriebsbereit.