Pressemitteilung:
Status Offshore Windenergie 1. Halbjahr 2026
Branche fordert zügige Reform des Windenergie-auf-See-Gesetzes
- Offshore-Windenergie in Deutschland wächst mit 1.077 MW im ersten Halbjahr stark und überschreitet die Marke von zehn Gigawatt installierter Leistung
- Branche fordert Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes für Investitionssicherheit mit zweiseitigen, indexierten CfDs noch im Sommer 2026
- Stabile und realisierbare Projektpipeline mit vertrauenswürdigen Partnern im fairen Wettbewerb sichert industrielle Wertschöpfung, Investitionen und Arbeitsplätze in Deutschland und Europa
Berlin, Bremerhaven, Frankfurt, Hamburg, Rostock, 21. Juli 2026 – Zum Stichtag 30. Juni 2026 waren 1.764 Offshore-Windenergieanlagen mit einer installierten Leistung von 10,8 Gigawatt (GW) in der deutschen Nord- und Ostsee in Betrieb. Im ersten Halbjahr 2026 wurden 84 neue Anlagen mit einer Leistung von 1.077 Megawatt (MW) neu ans Netz angeschlossen.
Derzeit sind weitere 22 Anlagen mit einer Leistung von 323 MW in den Offshore-Windparks Borkum Riffgrund 3 und He Dreiht sowie im Nordseecluster A errichtet, jedoch noch nicht in Betrieb. Für Projekte mit einer Gesamtleistung von 2,6 GW wurde bereits die finale Investitionsentscheidung (FID) getroffen. Weitere Offshore-Windprojekte mit einer Leistung von 17,5 GW wurden bezuschlagt, jedoch bislang keine FID abgeschlossen. Nach aktueller Planung werden bis 2032 in Deutschland 30 GW Leistung Windenergie auf See installiert. Dies geht aus den aktuellen Erhebungen der Deutschen WindGuard im Auftrag der Branchenorganisationen BWE, BWO, VDMA Power Systems, WAB e.V., WindEnergy Network e.V. und der gemeinnützigen Stiftung Offshore-Windenergie hervor.
Windenergie-auf-See-Gesetz anpassen
Obwohl der Ausbau der Offshore-Windenergie aktuell noch voranschreitet, zeigen die Ergebnisse der letzten Ausschreibungsrunden, dass das bestehende Regime den aktuellen Marktgegebenheiten längst nicht mehr Rechnung trägt. Insbesondere die ausbleibenden Gebote im August 2025 zeigen den dringenden Bedarf für eine zügige Anpassung des Windenergie-auf-See-Gesetzes (WindSeeG). Solange bezuschlagte Projekte in der Schwebe sind und der künftige Rechtsrahmen offenbleibt, bestehen erhebliche Unsicherheiten für Projektentwickler, Hersteller, Zulieferer und Investoren. Währenddessen will sich die Branche schnellstmöglich auf die Ausschreibungen des Jahres 2027 vorbereiten.
Investitions- und Finanzierungsrahmen modernisieren
Für die Finanzierung künftiger Offshore-Windprojekte braucht Deutschland einen belastbaren und international wettbewerbsfähigen Investitionsrahmen. Die WindSeeG-Novelle muss das Ausschreibungsdesign grundlegend weiterentwickeln. Die Branchenverbände sprechen sich für die Einführung eines indexierten, zweiseitigen Contracts-for-Difference-(CfD)-Modells aus. Ein solches Risikoabsicherungsinstrument reduziert Finanzierungsrisiken, erhöht die Realisierungswahrscheinlichkeit von Projekten und trägt dazu bei, langfristig wettbewerbsfähige Stromkosten für Industrie und Verbraucher zu ermöglichen. Das bisherige System negativer Gebote ist gescheitert und muss umgehend durch CfDs ersetzt werden. Ebenfalls ist es erforderlich, für langfristige Stromabnahmeverträge (PPAs) einen praxistauglichen Absicherungsmechanismus zu schaffen, damit PPAs für Banken finanzierbar und für den industriellen Mittelstand annehmbar werden.
Projektpipeline sichern und Ausbau kontinuierlich fortsetzen
Für die zwischen 2023 und 2025 bezuschlagten Offshore-Windprojekte braucht es eine tragfähige Perspektive. Die stetige Projektrealisierung muss in den Fokus rücken. „Wo Projekte unter negativ veränderten Rahmenbedingungen und gestiegenen Risiken multipler Krisen nicht mehr umgesetzt werden können, ist die Bundesregierung gefordert, gesetzlich verankerte Kriterien für eine Rückgabeoption zu prüfen sowie einen damit verbundenen Mechanismus, um die betroffenen Flächen unverzüglich neu auszuschreiben. So werden Flächen und Netzanschlüsse frühzeitig wieder verfügbar, neue Projekte können realisiert und verlässliche Perspektiven für die Lieferkette geschaffen werden. Nur so lässt sich der kontinuierliche Ausbau der Offshore-Windenergie absichern“, so die Branchenorganisationen.
Offshore-Wind stärkt den Industriestandort Deutschland
Ein verlässlicher Ausbaupfad schafft Planungssicherheit für Investitionen in Produktionskapazitäten, Lieferketten und Hafeninfrastruktur. Offshore-Windenergie sichert bereits heute laut einer Studie des Instituts wind:research im Auftrag des BWO rund 49.000 Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland. Damit sich diese positive Entwicklung fortsetzt, braucht es faire Wettbewerbsbedingungen, die europäische Unternehmen wirksam vor Marktverzerrungen schützen und Investitionen in Europa absichern. Gleichzeitig muss der regulatorische Rahmen den Schutz der kritischen Energieinfrastruktur stärken und physische wie digitale Sicherheitsrisiken entlang der Lieferkette wirksam begrenzen.
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Über den BWO
Der Bundesverband Windenergie Offshore e.V. (BWO) ist die politische Interessenvertretung der Offshore-Wind-Branche in Deutschland. Wir bündeln die fachliche Expertise der Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von den Herstellern über die Entwickler und Betreiber bis hin zu den Dienstleistern der Offshore-Windenergie. Für Politik und Behörden auf Bundes- und Landesebene ist der BWO zentraler Ansprechpartner zu allen Fragen der Windenergie auf See.