Mein Job in der Offshore-Windenergie
FOLGE 6 – Robert Krüger, Iberdrola Deutschland
Name
Robert Krüger
Unternehmen
Iberdrola Deutschland
Jobtitel
WTG Port Manager
Seit wann in der Branche
seit 2018
Standort
Sassnitz
Das Interview
1. Wer bist du – und was machst du beruflich?
Mein Name ist Robert und als WTG Port Manager bin ich bei Iberdrola für den Vormontagehafen bei Offshore–Wind–Projekten zuständig. WTG steht für Wind Turbine Generator, also Windkraftanlagen.
Zu meinem Aufgabenbereich zählt die Analyse infragekommender Häfen, die Anmietung von Hafenflächen und Kaianlagen, die Umsetzung erforderlicher Infrastrukturmaßnahmen sowie das Stakeholdermanagement vor, während und nach der Installationsphase.
2. Wie bist du zur Offshore-Windenergie und in die Rolle als Port Manager gekommen?
Beruflich und familiär komme ich aus der maritimen Welt. Von Containerschiffen und Mehrzweckfrachtern bis zu Chemiekalientankern hatte mein Werdegang viele Stationen. Ich bin studierter Nautiker und habe auf den Schiffen als nautischer Wachoffizier gearbeitet. Dies beinhaltete Seewachen (fahren und navigieren), Überwachung des Ladungsumschlags sowie die generelle Verantwortung über alles, was Rettungs- sowie Arbeitsschutzmittel betraf. Der Abschied von der beruflichen Seefahrt und ein Jobwechsel brachten mich in die Hafenbetriebsleitung eines Projekthafens und damit zum hafenseitigen Projektmanagement auch für Offshore–Windprojekte.
3. Wie sieht ein typischer Arbeitstag als Port Manager im Hafen aus?
Mein Arbeitsalltag zeichnet sich durch eine Mischung aus Routine- und außerplanmäßigen Aufgaben aus. Als Schnittstelle zwischen Iberdrola, Hafen, Turbinenlieferanten, Schiffen sowie anderen Akteuren habe ich die Möglichkeit an allen Themen der Logistik und des Installationsschiffes beteiligt zu sein und mögliche Konflikte im Hafen zu lösen.
4. Was motiviert dich persönlich an der Offshore-Windenergie und an deiner Rolle im Hafen?
Ich empfinde große Erfüllung darin, mit meiner Arbeit einen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Dabei sollten weder die eigene Arbeit noch die Ambitionen der Unternehmen in unserer Branche romantisch verklärt werden. Vielmehr geht es darum, Projekte zur Erzeugung erneuerbarer Energien mit der notwendigen Verantwortung umzusetzen. Der Einsatz für die eigenen Mitarbeitenden, die Umwelt und die Gesellschaft macht mich dabei besonders stolz.
5. Welche Ausbildung oder Erfahrungen führen typischerweise in deinen Beruf?
Ich bin froh, dass ich keine klassische ingenieurswissenschaftliche Ausbildung, sondern einige Jahre in der Seeschifffahrt sowie in der Hafenbetriebsleitung verbracht habe.
Ich habe bis heute keine meiner beruflichen Entscheidungen bereut – lediglich den ersten Kaffee zu Beginn einer Seewache vermisse ich dann und wann.
Für Berufs- oder auch Quereinsteigerinnen kann ich definitiv empfehlen, einen anfänglichen Fokus auf die Dienstleister-Seite der Offshore-Branche zu setzen, bevor eine Karriere im Bereich der Projektentwickler angestrebt wird. Hier liegen enorm viel Hintergrundwissen und betriebswirtschaftliche Grundlagen, die im weiteren beruflichen Leben einen großen Vorteil bieten.
6. Welche Rolle spielt dein Job ganz konkret beim Bau eines Offshore-Windparks?
Meine Arbeit ist vor dem eigentlichen Projektstart am intensivsten. Ich bereise und analysiere infragekommende Häfen, führe Vertragsverhandlungen für die Pacht sowie für die Nutzung von Hafenflächen, Kai- und Umschlagsplätzen oder vorhandener Hafentechnik. Dabei prüfe ich, ob die vorhandene Infrastruktur unseren Anforderungen entspricht oder angepasst werden muss. Die dafür notwendigen Beschaffungen und Ausschreibungen sind umfangreich und werden in der Praxis oft unterschätzt.
Je näher der Projektstart kommt, desto mehr nimmt der Zeitdruck zu. Das macht den Arbeitsalltag in dieser Phase besonders intensiv.
Sobald Komponentenanlieferungen, Turmvormontage und die ersten Verladungen auf das Installationsschiff beginnen, trete ich in den Hintergrund. Ich sorge dafür, dass die Verträge mit den Dienstleistern so umgesetzt werden, dass die Vormontagetätigkeiten und -Logistik auch unserer Auftragnehmer reibungslos ablaufen.
7. Wie behältst du bei großen Komponenten, engen Zeitplänen und wechselndem Wetter den Überblick?
Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete, die andere Hälfte besteht aus Verstand, Fokus und der Fähigkeit, mit den Unwägbarkeiten eines Bauprojekts umzugehen.
Aus meiner Segelleidenschaft habe ich einige Credos ins Arbeitsleben übernommen:
Plane intensiv, wenn du die Zeit dazu hast. Unterscheide zwischen Aufgaben, die zeitgleich abgearbeitet werden können und jenen, die absoluten Fokus bedürfen.
Triff keine Entscheidung in Hektik – es ist immer Zeit bis 10 zu zählen.
Außerdem habe ich ein gewisses Urvertrauen ins Universum und Kollegen im Projekt. Oft habe ich erlebt, dass in heiklen Momenten die „Magie“ nicht an Schreib- oder Verhandlungstischen, sondern auf Baustellen, Schiffen oder in Baubüros selbst geschieht. Die Zauberer trugen meistens Warnschutz und Helm und waren Meister ihres Fachs.