Mein Job in der Offshore-Windenergie
FOLGE 12 – Jonas Kornhuber, Luxcara
Name
Jonas Kornhuber
Unternehmen
Luxcara
Jobtitel
Projektmanager
Seit wann in der Branche
2020
Standort
Hamburg
Das Interview
1. Wer bist du – und was ist dein Job bei Luxcara?
Hallo, ich bin Jonas Kornhuber und arbeite als Projektmanager bei Luxcara in Hamburg. Ich begleite unsere Offshore-Windparks Waterkant und Waterekke und kümmere mich um verschiedene Schnittstellenthemen. Ein Schwerpunkt liegt auf unseren sogenannten Surveys, also die Untersuchung der Meeresflächen auf denen wir bauen. Ich begleite diese Flächen vom Einkauf und der Vertragsverhandlung bis zur Durchführung auf See. Unsere aktuelle UXO-Kampagne (dt. Unexploded Ordnance) hat zum Ziel, Kampfmittel wie Munition auf unserer Baufläche zu suchen und zu entfernen.
2. Wie hat es dich in die Offshore-Windbranche verschlagen und was benötigt man für deinen Job?
Ich bin gebürtiger Hamburger und habe Umwelttechnik studiert. Mein Berufseinstieg führte mich direkt in die Windkraft: Bei Nordex war ich als Projektmanager für den Bau und die Inbetriebnahme von Onshore-Windparks verantwortlich. Der Wunsch, irgendwann in die Offshore-Windbranche zu wechseln, war schon länger da und die passende Gelegenheit ergab sich glücklicherweise für mich bei Luxcara.
Bis heute hilft mir mein solides technisches und naturwissenschaftliches Grundverständnis. Auch ein gutes Zahlenverständnis und die Fähigkeit, Verträge zu lesen und zu verstehen, erleichtern nicht nur den Einstieg in die Branche, sondern auch den Arbeitsalltag. Man muss aber nicht von Anfang an ein Experte sein: Jeden Tag kommt neues Wissen dazu – und vieles lernt man direkt im Projekt.
3. Wie sieht ein ganz normaler Arbeitstag bei dir aus?
Einen typischen Arbeitstag gibt es bei mir kaum, und genau das gefällt mir. Einen Großteil meiner Zeit verbringe ich in Abstimmungen mit Kolleginnen und Kollegen aus den unterschiedlichsten Disziplinen und mit Projektpartnern – nicht nur vor dem Laptop im Büro, sondern oft regelmäßig im Hafen oder sogar an Bord. Bis heute beeindruckt mich, wie viele Details ineinandergreifen müssen, damit ein Projekt dieser Größenordnung Wirklichkeit wird. Lange bevor die erste Anlage steht, laufen bei uns die Informationen aus allen Fachbereichen zusammen. Das ist ohne Frage komplex, aber mit einem eingespielten Team, das sich aufeinander verlassen kann, behalten wir jederzeit den Überblick und bringen jedes Puzzleteil an seinen Platz.
4. Was macht deinen Beruf als Projektmanager Offshore für dich besonders?
Wenn nach monatelanger Vorbereitung ein Schiff ausläuft und die Arbeiten so funktionieren wie geplant, ist das ein tolles Gefühl. Ein Moment, auf den ich besonders stolz bin, liegt erst ein Jahr zurück: der erfolgreiche Abschluss unserer Hauptbodenuntersuchung. Von der Ausschreibung über Vertragsverhandlungen bis zur herausfordernden Durchführung auf See hat unser Team alles gegeben, die Ergebnisse rechtzeitig für das Fundamentdesign zu liefern – was uns auch gelungen ist. Ein großes Puzzleteil für den Gesamtprojekterfolg!
5. Welche Rolle spielt die Energiewende für deine tägliche Arbeit?
Die Energiewende bleibt für mich eine der essenziellen Aufgaben der kommenden Jahrzehnte. Ich bin überzeugt, dass Offshore-Wind einen großen Teil zu einer klimafreundlichen, verlässlichen und unabhängigen heimischen Energieversorgung beitragen muss. Dieser Gedanke motiviert mich persönlich und ist einer der Gründe, warum ich in dieser Branche arbeite. Wenn unsere Windparks Waterkant und Waterekke anfangen, Strom zu produzieren, können wir gut 1% des deutschen Strombedarfs decken. So sieht Energiewende im Gigawatt-Maßstab aus.
6. Was ist eine UXO-Campaign und wie kann man sich dieses Projekt konkret vorstellen?
UXO steht für „Unexploded Ordnance“, also nicht explodierte Kampfmittel auf dem Meeresboden der deutschen Nordsee. Die Räumung erfolgt in mehreren aufeinander aufbauenden Phasen. Auf Basis einer historischen Risikobewertung vermessen Spezialschiffe zunächst im Survey das Baufeld und erfassen alle Verdachtspunkte. In der anschließenden ID&C-Kampagne (Identification & Clearance) untersuchen Unterwasserroboter diese Punkte gezielt, Fachleute bewerten die Ergebnisse und harmlose Objekte werden entfernt. Erst danach folgt die Disposal-Kampagne: Echte Kampfmittel werden nach Möglichkeit umgangen oder sicher verlagert; eine Sprengung bleibt das letzte Mittel. Die Herausforderung besteht darin, Sicherheit, Wetter, Schiffe, Genehmigungen und Zeitplan über alle Phasen hinweg zusammenzubringen. Genau hier zeigt sich, wie wichtig eine vorausschauende Planung und ein Team sind, das auch kurzfristig flexibel reagieren kann.
7. Als Projektmanager bist du das „Drehkreuz“ zwischen Technik, Umwelt und Wirtschaftlichkeit. Wie erlebst du diese Schnittstellenrolle im Alltag?
Als Projektmanager verbinde ich Technik, Umwelt, Wirtschaftlichkeit und Verträge. Dafür arbeite ich mit Ingenieurinnen und Ingenieuren, Gutachterbüros, Behörden, Dienstleistern sowie Kolleginnen und Kollegen aus praktisch allen im Projekt vorhandenen Disziplinen zusammen. Ich muss mich schnell in neue Themen einarbeiten und unterschiedliche Interessen verstehen. Mir helfen Offenheit, klare Strukturen und mein Grundsatz: erst zuhören, dann gemeinsam entscheiden.
8. Sicherheit und Verantwortung spielen bei UXO-Untersuchungen eine große Rolle. Wie gehst du persönlich damit um?
Bei der UXO-Kampagne können wir uns auf ein starkes Team aus erfahrenen Expertinnen und Experten verlassen. Die operative Durchführung, die fachliche Bewertung und die finale Entscheidung über den Umgang mit möglichen Kampfmitteln liegen bewusst bei den UXO-Fachleuten. Ich behalte den Gesamtüberblick und greife nur ein, wenn es notwendig ist, etwa wenn Auswirkungen auf den Zeitplan oder andere Gewerke abgestimmt werden müssen. Die Verantwortung spüre ich trotzdem deutlich, denn jede Entscheidung kann Folgen für Menschen, Schiffe, Umwelt und Anlagen haben. Deshalb steht Sicherheit für uns immer an erster Stelle. Was mir Ruhe gibt, ist eine gute Vorbereitung, klare Abläufe und das Vertrauen in die Expertise des Teams. In kritischen Situationen gilt: Fakten sammeln, Risiken offen ansprechen und gemeinsam den richtigen Weg finden.