Mein Job in der Offshore-Windenergie
FOLGE 9 – Janina Dräger, Ørsted
Name
Janina Dräger
Unternehmen
Ørsted
Jobtitel
Commercial Director
Seit wann in der Branche
2010
Standort
Kopenhagen
Das Interview
1. Zum Einstieg: Wer bist du und was machst du bei Ørsted?
Moin, mein Name ist Janina Dräger und ich bin Commercial Director bei Ørsted. Ich bin Mitglied des Management-Teams eines Offshore-Windpark-Bauprojekts in der deutschen Nordsee und verantworte kommerzielle Belange und vertragliche Anforderungen gegenüber internen und externen Stakeholdern. Mein Fokus liegt auf Wertschöpfung, Budgetkontrolle, Risikomanagement und der termingerechten Umsetzung relevanter Verträge. Die Arbeit erfolgt in enger Abstimmung mit Projektteams, Kollegen aus Finance und der Rechtsabteilung, externen Dienstleistern und Regulierungsbehörden. Mein Ziel ist es einen wirtschaftlich erfolgreichen, nachhaltigen Offshore-Windpark sowie verlässliche Partnerschaften zu schaffen. Begonnen habe ich vom Hamburger Büro aus; heute arbeite ich in Kopenhagen.
2. Wie bist du zur Offshore-Windenergie gekommen?
Die sichere, nachhaltige Energieversorgung der Zukunft hat mich früh fasziniert. Im Wirtschaftsstudium hatte ich die Gelegenheit entsprechende Schwerpunkte zu setzen, wobei mir ein solides Zahlenverständnis half, Investitions- und Risikothemen zu verstehen. Das ist meiner Meinung nach eine zentrale Fähigkeiten in der Branche. Durch mein Studium und meine bisherige Berufslaufbahn habe ich viel internationale Erfahrung gesammelt. Das hat meinen Blick über Deutschland hinaus geprägt und mir gezeigt, wie wichtig es ist, über Ländergrenzen hinweg zusammenzuarbeiten und unterschiedliche Interessen zusammenzubringen. Gleichzeitig gibt mir meine Arbeit in der Offshore-Windenergie das Gefühl, an etwas Sinnvollem zu arbeiten. Der wachsende Bedarf an erneuerbaren Energien motiviert mich, die Branche weiter voranzubringen.
3. Wie sieht ein typischer Arbeitstag als Commercial Director bei dir aus?
Als Commercial Director ist mein Tag ausgesprochen abwechslungsreich – jeder Tag bringt neue Impulse. Ich verbringe viel Zeit im Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, denn ich manage Schnittstellen und gewinne so einen Überblick über kommerzielle Themen. In Bauprojekten können sich Anforderungen ändern; das erfordert schnelle Anpassungsfähigkeit und Feingefühl in Verhandlungen. Es geht darum Lösungen zu finden, die interne und externe Stakeholder zufriedenstellen. Mein Alltag ist daher eine bunte Mischung aus Koordination, Planung, Entscheidungsfindung und pragmatischer Umsetzung – eine Dynamik, die die Arbeit spannend macht.
4. Was macht deinen Beruf besonders – und welche Fähigkeiten helfen dir dabei?
Besonders spannend ist es wirtschaftliche Ziele mit technischen Realitäten zu verknüpfen und so nachhaltige Wertschöpfungstreiber zu identifizieren und voranzutreiben. Relevant ist die Fähigkeit Risiken richtig zu bewerten und Chancen zu identifizieren. Außerdem wird ein gewisses Fingerspitzengefühl für die komplexen Schnittstellen und vielen Stakeholdern benötigt.
5. Wie arbeitest du mit Investor*innen zusammen und welche Rolle spielst du dabei?
Mein Schwerpunkt liegt darauf, das gegenseitige Verständnis zwischen allen Stakeholdern zu stärken. Ich begleite Investoren auf dem Weg in die Welt der Offshore-Windengergie, mit all den Komplexitäten und Möglichkeiten. Ebenso wichtig ist es, die Teams bei Ørsted für den Umgang mit Investoren und externen Partnern zu sensibilisieren, damit sie deren Perspektiven, Anforderungen und Erwartungshaltungen verstehen. Durch klare Kommunikation, und eine enge Abstimmung zwischen Projektteams, Finanzen, Rechtsabteilung und Investor Relations schaffen wir eine gemeinsame Sprache.
6. Gibt es ein Projekt oder einen Moment, auf den du besonders stolz bist?
Ich bin besonders stolz darauf, dass Ørsted Fördermittel der Regierung für eine patentierte Jetting-Technik erhält, die Unterwassergeräusche deutlich senkt. Die am Stahlfundament befestigte Methode verringert den Sandwiderstand und sorgt dafür, dass das Fundament besser in den Meeresboden einsinkt; der Lärm reduziert sich gegenüber herkömmlichen Verfahren um mehr als 99 Prozent und liegt nahe dem Umgebungsgeräuschniveau in der Deutschen Bucht der Nordsee. Die Antragsbearbeitung und Begleitung des Behördenbeschlusses habe ich in Zusammenarbeit mit unseren Juristen und technischen Experten verantwortet. Der lange Atem hat sich gelohnt: die Herausforderung war spannend, und ich konnte mich beruflich weiterentwickeln.
7. Wie wird man Commercial Director in der Offshore-Windbranche?
Aus meiner Erfahrung ergibt sich der Weg oft aus einer Mischung relevanter Branchenkenntnisse, wirtschaftlicher oder juristischer Fundierung und der Fähigkeit, komplexe Stakeholder-Beziehungen zu steuern. Neben fachlicher Kompetenz sind starke Fähigkeiten in Verhandlungs-, Projekt- und Change-Management sowie Kommunikationsstärke gefragt. Wer sich dieser Herausforderung stellen möchte, sollte grundsätzlich Neugier, Lernbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein mitbringen.
8. Wie erklärst du Investor*innen die Besonderheiten von Offshore-Windprojekten, die man auf den ersten Blick vielleicht gar nicht sieht?
Oft stimmen die Vorstellungen und Anforderungen der Stakeholder nicht unbedingt mit den realistischen Möglichkeiten eines Offshore-Windparks überein. Um verlässliche Investitionsentscheidungen zu ermöglichen, benötigen wir zwei Dinge: transparente Kommunikation und belastbare Business Cases. Nur so können wir Kosten, Zeitpläne, Risiken und Chancen realistisch einschätzen. Zudem unterliegt der Bau von Offshore-Windparks komplexen Regularien. Unsere Aufgabe ist es, diese Anforderungen frühzeitig zu identifizieren und die Hürden für die Umsetzung transparent zu erläutern. Durch klare Prozesssteuerung, belastbare Strategiepläne und enge Zusammenarbeit schaffen wir verlässliche Partnerschaften und gewährleisten eine effiziente, sichere und nachhaltige Projektdurchführung.