Mein Job in der Offshore-Windenergie
FOLGE 8 – Jennifer Lork, Fraunhofer IWES
Name
Jennifer (Jenny) Lork
Unternehmen
Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme IWES
Jobtitel
Technische Mitarbeiterin
Seit wann in der Branche
als Praktikantin und Studentische Hilfskraft seit 2022, als technische Mitarbeiterin seit 2025
Standort
Bremerhaven (Windmesssysteme)
Das Interview
1. Zum Einstieg: Wer bist du und was machst du beim Fraunhofer IWES?
Ich bin Jenny und arbeite seit einem knappen Jahr als technische Mitarbeiterin am Fraunhofer IWES in der Gruppe Windmesssysteme. Hier arbeiten wir an Lidar-Messbojen zur Erfassung von meteorologischen und ozeanografischen Daten. Bei den Wind-Lidar-Bojen handelt es sich um Light Detection and Ranging-Bojen, die ein Laser-basiertes Messverfahren einsetzen, um die Windgeschwindigkeiten in großen Höhen zu bestimmen. In meinem Alltag arbeite ich überwiegend in unserer Werkstatt oder in meinem Büro.
2. Wie bist du zur Offshore-Windenergie, dem Fraunhofer IWES und zu den Windmesssystemen gekommen?
Im Laufe meines Studiums musste ich ein Pflichtpraktikum absolvieren und wollte diese Gelegenheit nutzen, in die Wissenschaft reinzuschnuppern. Das ist nun vier Jahre her. Danach war ich als Studentische Hilfskraft angestellt, mittlerweile bin ich technische Mitarbeiterin und sehr glücklich mit der abwechslungsreichen Arbeit hier, die mich von Anfang an begeistert hat. Vom Programmieren im Büro über die Tätigkeiten an den Bojen bis hin zu den Außen- und Offshore-Einsätzen – jeder Tag ist anders und auf seine Weise spannend.
3. Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?
Die meiste Zeit arbeite ich in der Werkstatt an routinemäßigen Reparaturen, Wartungen oder Umbauten. Dies beinhaltet alles, von der Hardware bis zur Energieversorgung einer Boje. Besonders Spaß dabei macht es, an neuen Problemstellungen zu arbeiten oder nach neuen, besseren Wegen der Umsetzung zu suchen. Dazu gehört auch hin und wieder kleinere Teststände aufzubauen, um Geräte zu prüfen oder eine neue Idee zu testen. Auch die Offshore-Einsätze sind spannend, besonders Wartungsfahrten, da man nie exakt weiß, was einen erwartet.
4. Was macht deinen Beruf als Technikerin für Windmesssysteme besonders?
Für mich ist die abwechslungsreiche Arbeit das schönste. Man weiß nie genau, was man heute alles bauen, testen oder reparieren wird. Dabei darf man bei den Lösungsansätzen durchaus kreativ werden. Auch das Wissen, dass die Arbeit einen Beitrag zum Ausbau der Offshore–Windenergie leistet, erfüllt mich. Die Zusammenarbeit im Team und das gemeinsame Überlegen und Umsetzen ist großartig und macht sehr viel Spaß. Am schönsten ist es dann, wenn am Ende alles funktioniert.
5. Gab es ein Projekt oder Erlebnis, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Mein erster Offshore-Einsatz, ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Es ging um die Wartung einer Boje vor Ort in der Nordsee. Es gab jede Menge zu tun, und ich habe in diesen zwei Tagen unglaublich viel gelernt. Alles war neu und spannend. Nach zwei Tagen Arbeit kam dann der entscheidende Moment: Die Boje schwamm wieder im Wasser und wir konnten testen, ob tatsächlich alles so funktioniert, wie es soll. Wenn dann alles läuft, ist das ein richtig gutes Gefühl. Und spätestens auf der Rückfahrt kann man sich entspannt zurücklehnen und den Moment genießen.
6. Welche Ausbildung oder Qualifikationen braucht man für deinen Beruf – und welche Wege führen dorthin?
Ich habe einen Master of Science in Windenergietechnik und bin als Praktikantin während des Bachelorstudiums gestartet. Neugier und der Wille, das erlernte theoretische Wissen in die Praxis umzusetzen, haben sehr geholfen. Am besten hilft es, sich alles einmal zeigen zu lassen und direkt mit anzupacken. Fehler können und werden passieren, aber man lernt sehr schnell aus ihnen. Im Laufe der Zeit habe ich zusätzliche Kurse belegt und Zertifizierungen gesammelt, wie beispielsweise ein Sea Survival-Zertifikat oder einen Gabelstaplerschein.
7. Die Lidar-Boje liefert Winddaten, auf deren Basis große Offshore-Projekte geplant werden. Wie erlebst du diese Verantwortung im Alltag?
Um diese Entscheidungsgrundlagen schaffen zu können, müssen unsere Bojen funktionieren. Das ist meine Hauptaufgabe und diese nehme ich sehr ernst. Arbeitet man einmal unsauber, schafft man sich im Laufe der Zeit nur Probleme. Da die Bedingungen auf dem Meer hart sind, vor allem für eine kleine Boje direkt im Wasser, ist es besonders wichtig darauf zu achten, dass alles gut geschützt ist. Sobald die Bojen für eine Messkampagne im Wasser sind, überwachen wir sie durchgehend.
8. Wenn die Boje „nicht sauber“ misst: Woran merkst du das – und wie gehst du bei der Fehlersuche vor?
Die Datenlage der eingesetzten Bojen prüfen wir täglich. Fehlende Daten fallen dabei deutlich schneller auf als abweichende. In einzelnen Fällen kann es zu Auffälligkeiten kommen. Dann schauen wir gemeinsam mit unseren Datenanalystinnen und –analysten, ob es sich um ein Software– oder Hardware-Problem handelt und arbeiten an einer Lösung. Ist es ein Hardware-Problem, lösen wir es bei der nächsten Wartung und suchen nach neuen Ansätzen, um in Zukunft eine Wiederkehr dieses Problems zu vermeiden. Dadurch entwickelt sich die Technologie unserer Bojen stehts weiter und die Arbeit bleibt spannend.