BWO gibt Stellungnahme zum Entwurf des Flächenentwicklungsplans 2022 an das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) ab

1. September 2022
Zusammenfassung
  • Wir begrüßen, dass das BSH die Aktualisierung des Flächenentwicklungsplans zügig vorantreibt und so die Voraussetzungen für den benötigten Offshore-Zubau schafft.
  • Weitere Flächenpotenziale heben: Die in Kürze veröffentlichte Studie des Fraunhofer IWES „Offshore-Flächenpotenziale: Analyse der Energieerzeugungseffizienz in der der deutschen AWZ“ weist ein Offshore Potenzial von bis zu 82 GW für Deutschland nach: Unter Berücksichtigung von anderen Nutzungsformen lässt sich das Ausbauziel von 70 GW bis 2045 auch bei stabilen Volllaststunden von mindestens 3000 Stunden erreichen. Dafür werden wir konstruktive Gespräche mit anderen Nutzern wie der Marine und der Fischerei aufnehmen.
  • Flächeneffizienz neu denken: Wenngleich wir eine maßvolle Erhöhung der Leistungsdichten nicht ablehnen, schlagen wir vor, die Flächeneffizienz mitzudenken. Dabei ist neben der Leistungsdichte (MW / km2) auch die Ertragsdichte (MWh / km2) zu berücksichtigen. Die o.g. Fraunhofer IWES Studie zeigt: Die Ausbauziele können auch mit einer effizienten Flächennutzung erreicht und sogar übertroffen werden.
  • Intelligente Nachnutzung vorbereiten: Wir begrüßen, dass das BSH bereits heute Erwägungen zur Nachnutzung der Flächen durchführt. Die in diesem Zusammenhang angedachte Zusammenlegung von Flächen kleinerer Windparks für eine effiziente Nachnutzung ist einerseits wirtschaftlich geboten. Andererseits entsteht dadurch eine Ungleichheit der maximalmöglichen Laufzeit in den zusammenzulegenden Gebieten. Nicht hingenommen werden kann, dass nach den aktuellen Plänen des BSH die Laufzeit der jüngsten OWPs mit der neuesten Offshore-Windenergieanlagen-Technologie am meisten verkürzt wird, teilweise sogar unter die bereits genehmigte Dauer. Insgesamt gehen Bestandsbetreibern so über 200 potenzielle Betriebsjahre verloren. Wir empfehlen, die Nachnutzung der Bestandsflächen ähnlich wie im Netzentwicklungsplan (NEP) in Szenarien vorzustellen und zu konsultieren.
  • Planungs- und Investitionssicherheit gewährleisten: Zur Gewährleistung der Planungssicherheit empfehlen wir, dass für jeden OWP bereits bei der Ausschreibung die durch das Windenergie-auf-See-Gesetz (WindSeeG 2023) ermöglichte Genehmigungsdauer von 25 Jahren mit der Option einer Verlängerung um 10 Jahre bei den im FEP-E gemachten Annahmen zur Nachnutzung vollständig sichergestellt ist.
  • Mehr Flächen für Wasserstoff: Der vorliegende Entwurf weist keine neuen Flächen für die Wasserstofferzeugung aus. Sonstige Energiegewinnungsbiete für die Wasserstofferzeugung müssen bereits jetzt mitgeplant werden.
  • Naturschutz und Klimaschutz gemeinsam denken: Bezüglich der Gebiete N-4 und N-5 mit Kapazitäten von zusammengerechnet 2 GW und den befürchteten Auswirkungen auf Seetaucher im Hauptkonzentrationsgebiet verweisen wir auf die neuesten Erkenntnisse der seitens des BWO beauftragten DiVER – II Studie. Den Studienergebnissen zufolge sind die Populationsgrößen der Seetaucher seit 2001 stabil. Es zeigte sich kein Zusammenhang zwischen dem Bestand der Seetaucher und der Anzahl von OWEAs in der deutschen Nordsee im erfassten Zeitraum. Daher sollte das BSH die Nachnutzung dieser Gebiete erneut prüfen.

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